Musikalische Weinprobe im Weingut Aufricht
am Samstag 12. Oktober 2019 um 19:00 Uhr

Linse Weingarten 2017

Was es braucht, um Kavalier zu werden

„Männer und Tenöre“ sind im Kulturzentrum Linse aufgetreten

Kavaliere werden, aber wie? Die „Männer und Tenöre“ bei ihrem Gastspiel im Kulturzentrum Linse.

Um Kavalier zu werden, braucht es eine Portion Mut. Um einen unterhaltsamen Abend mit Liedern der Comedian Harmonists auf die Beine zu stellen, braucht es Stimme, Witz und Ironie. So ausgestattet ging das Sextett „Männer und Tenöre“ (MuT) am Sonntagabend im Kulturzentrum Linse an den Start. Mit ihrem aktuellen Programm „Vermutlich Kavaliere“, das Klassiker, aber auch selten Gehörtes auf die Bühne brachte. Originell und äußerst unterhaltsam.

„Autsch, schon wieder hat er zugestochen“ – der grüne Kaktus, das stachelige Ding. ... ... Was sticht, ist ihre flotte Interpretation dieses Ohrwurms, mit dem das legendäre Berliner a-cappella-Vokalensemble in den 1920er und frühen 1930er Jahren international gefeiert wurde. ... ... Der große Linse-Saal war nahezu komplett gefüllt.

Höchst vergnüglicher Abend

Auf weitere Dauerbrenner wie „Wochenend und Sonnenschein“ oder „Veronika, der Lenz ist da“ verzichteten sie. Es gab also kein best-off von immer wieder Gehörtem. Vielmehr galt ihr Augenmerk dem „Kavalier“ und wie Mann das werden kann. Das machte aus dem Auftritt eine runde, vergnügliche und sehr unterhaltsame Sache. Zugleich gaben sie abwechselnd moderierend Einblicke in die damalige Zeit der Comedian Harmonists. .... Das fünfstimmige Lied „Eine kleine Frühlingsweise“ nach einer Humoreske von Antonín Dvořák ist ein Beispiel, dessen Melodie harmonisch tönt, während der Text die Härte des Frühlingserwachens beschreibt. Mit Bass Alexander Matt, der über weite Strecken am Pianoforte saß, Bariton Markus Stürzenhofecker, den Tenören Johannes Wargenau, Thomas Waldherr und Thomas Mentzel gaben sich die Herren in der ersten Runde eher traditionsbewusst. ...

Was tut Mann nicht alles, um Eindruck zu schinden. Auf seiner Suche nach einem kleinen bisschen Glück irgendwo auf dieser Welt. „Verwechseln Sie Glück nicht mit dem Zustand von Zufriedenheit, also mit mein Haus, mein Auto, meine Frau“, amüsierten und sensibilisierten sie ihr Publikum. Mit bittersüßen Parodien auf das Thema aller Themen – den Kuss. ... Zur „Rumba auf Calumba“ schwangen die Herren dezent ihre Hüften, um anschließend den amerikanischen Vorbildern der Comedian Harmonists, den Revelers, mit „Stormy Weather“ ihre Aufwartung zu machen.

Hin zur attraktiven Kombo

In der zweiten Runde wechselten sie das Outfit hin zum 1920er-Jahre-Männer-Modestil. Ohne „Odol“ ging da nichts, um in der Damenwelt landen zu können. Für ihren Mix aus mozärtlicher Nerv-Tenörigkeit und modernen Schlagern („Buena Sera Signorina“, „Mir geht´s gut“ und „Sag´ mir quando“) verwandelten sie sich in eine attraktive Kombo mit Kontrabass und Gitarre. Ein zusammen gewürfelter Haufen? Nein. Das Sextett aus der Bodenseeregion schwamm ganz auf der Oberfläche inniger Harmonie und flotten Rhythmen. Da scheuten sie sich auch nicht, die Zipfelkappen hervor zu holen und sich männerchörisch als Bajuwaren auszugeben. Nach viel Applaus und einem Rückblick auf das letzte Konzert der Comedian Harmonists am 5. März 1935 erklang „Gib mir den letzten Abschiedskuss“. Bei aller Tragik sehr sinnlich und schön anzuhören.

12. Februar 2017 Schwäbische Zeitung, Babette Caesar